Digitale Leistungen sind ein Bedürfnis der Bevölkerung. Mit der Digitalisierung verbessern wir die Qualität und Verfügbarkeit der Dienstleistungen für die Bevölkerung und Unternehmen, aber auch für die Verwaltungsmitarbeitenden. Wenn wir digitalisieren, dann analysieren, verbessern und vereinfachen wir Prozesse. Wir legen Zuständigkeiten klar fest und setzen uns damit auseinander, wie und ob Daten erhoben und wo sie zentral geführt werden müssen. Digitalisierung ist daher für mich ein Treiber und Hebel für die Weiterentwicklung der Verwaltung insgesamt.
Benedikt van Spyk ist seit 2020 Staatssekretär des Kantons St. Gallen. Die Staatskanzlei übernimmt eine koordinierende Rolle bei der digitalen Transformation des Kantons.
Das Bedürfnis der Menschen, Alltägliches digital zu erledigen, ist zentral für die Digitalisierung im Kanton St. Gallen. Dennoch sind wir bei der Kundenzentrierung noch nicht da, wo wir sein sollten. Zu viele Prozesse sind aus der Perspektive der Organisation statt jener der Nutzenden gedacht. Diese müssen wir daher bei allen Projekten stärker in den Fokus rücken. Zudem müssen wir eine Rechtsgrundlage für ein vollelektronisches Verwaltungsverfahren schaffen. Nur so können wir Medienbrüche verhindern, die beispielsweise entstehen, weil rechtlich eine handschriftliche Unterschrift erforderlich ist.
Aus meiner Sicht ist E-Voting ein strategisches und langfristiges Projekt. Zurzeit ist E-Voting eine attraktive Ergänzung, später kann es zu einer verlässlichen Alternative zur brieflichen Stimmabgabe werden. Denn wir wissen nicht, wie die Briefpost in 15 oder 20 Jahren funktionieren wird.
Elektronisches Wählen und Abstimmen hat viele Vorteile: Ungültige und zu spät eingetroffene Stimmabgaben fallen weg. Die Stimmberechtigten erhalten eine Bestätigung, dass ihre Stimme in der elektronischen Urne angekommen ist. Der E-Voting-Versuchsbetrieb in St. Gallen ist gut gestartet, die Beteiligung über den elektronischen Kanal wächst kontinuierlich. Die Beteiligung über den elektronischen Kanal liegt in den Pilotgemeinden hinter den brieflichen Stimmen, aber bereits deutlich vor der Stimmabgabe an der Urne.
Es gibt punktuell Korrespondenz, die Bürgerinnen und Bürger vom Kanton elektronisch über ein Portal (z.B. Onlineschalter Migrationsamt) erhalten. Wir haben aber noch kein allgemeines elektronisches Postfach. Zukünftig möchten wir unserer Bevölkerung einen sicheren elektronischen Korrespondenzkanal anbieten. Daher verfolgen wir mit Interesse, wie der neue postalische Grundversorgungsauftrag aussehen wird.
Der Kanton hat eine zukunftsweisende Bildungsoffensive für den IT-Bereich lanciert, die auch den Fachkräftemangel entschärfen soll: Der Kanton investiert 75 Millionen Franken, damit Schülerinnen und Schüler auf allen Stufen die relevanten Schlüsselkompetenzen erwerben, um kreativ und innovativ die Gesellschaft und Wirtschaft im digitalen Zeitalter mitzugestalten.
Ich kann diese Bedenken sehr gut nachvollziehen und nehme diese ernst. Der Kanton St. Gallen unternimmt verschiedene Massnahmen, um seine Systeme und die Daten der Bevölkerung zu schützen. Dazu gehört, dass wir vermehrt IT- Systeme öffentlich im Rahmen eines Bug-Bounty-Programms prüfen lassen. Finden Fachleute eine Sicherheitslücke, erhalten sie von uns eine finanzielle Belohnung. Gerne möchte ich eine grundsätzliche Überlegung ergänzen.
Die Schweizerinnen und Schweizer schenken der Politik und der Verwaltung sehr grosses Vertrauen. Dieses gründet auf der verlässlichen Dienstleistung, die die Bevölkerung seit vielen Jahrzehnten erhält. Bisher waren dies analoge Dienstleistungen, heute und in Zukunft werden es immer mehr digitale Services sein. Durch möglichst grosse Transparenz und qualitativ hochstehende Services möchten wir heute die Grundlagen schaffen, damit die Bevölkerung Vertrauen in die digitalen Services aufbauen kann.
Wir befinden uns in einer dynamischen Phase. Es läuft sowohl bei uns im Kanton als auch auf Bundesebene viel, was den digitalen Wandel in der öffentlichen Verwaltung betrifft. Meine Ambition ist es, dass wir bis 2030 die wichtigsten Behördendienste digital anbieten, und in der Nutzerfreundlichkeit eine deutliche Verbesserung erreicht haben.